Du so: „Ich will im Geburtshaus entbinden!“ Mann so: „…“ Guckt wie Auto, nur nicht so schnell

„Ich will im Geburtshaus entbinden!“ Jetzt ist es raus. Du hast es ausgesprochen. Neugierig beobachtest du den Gesichtsausdruck deines Mannes. Was er wohl sagen wird? Nichts. Mann sagt erstmal nichts. Er guckt dich an. Er guckt wie Auto, nur nicht so schnell. Du versuchst es ein zweites Mal „Ich möchte das Baby dieses Mal im Geburtshaus zur Welt bringen. Was hälst du davon?“ Du sagst ihm nicht, dass die Entscheidung schon längst gefallen ist. Du sagst ihm nicht, dass er herzlich gerne ins Krankenhaus fahren darf. Alleine. Mit dir bestimmt nicht. Du tust erstmal so, als ob ihr die Entscheidung gemeinsam trefft. Du tust so, als ob ihr bei der Entscheidung gleichberechtigt seid. Als ob du über die Vor- und Nachteile mit ihm sprechen möchtest. Schließlich ist es euer beider Kind. Vielleicht findet er ja sogar, dass eine Geburtshaus-Geburt eine wunderbare Idee ist.

Findet er nicht.

Mann ist einigermaßen entsetzt. Immerhin wisst ihr beide ja nicht nur aus Erzählungen, sondern auch aus der eigenen Erfahrung heraus, dass so eine Geburt verdammt viele Tücken bereit halten kann. Wie soll das ohne gut ausgebildete Ärzte gehen? Das Wissen von Hebammen in allen Ehren, aber die meisten Hebammen haben noch nicht mal studiert! Nach der Geburt können die Hebammen ja vielleicht mit ihren ganzen Kügelchen und Wässerchen kommen, um der DIR ein gutes Gefühl zu geben. Vielleicht können sie auch während der Geburt ein bisschen mit dir atmen, oder dir die Badewanne voll laufen lassen.

Aber was ist, wenn während der Geburt etwas schiefläuft? Was ist, wenn die Schmerzen so stark sind, dass du wieder eine PDA brauchst? Was ist, wenn das Neugeborene Hilfe braucht? Dann braucht man doch Hilfe. RICHTIGE Hilfe. Und richtige Hilfe, heißt ÄRZTLICHE Hilfe.

Du stimmst Mann zu. WENN etwas schiefläuft, dann braucht man ärztliche Hilfe. Du berichtest ihm von den ganzen Statistiken, die du in den letzten Wochen gelesen hast. Du zeigst ihm die Internetseite der QUAG e.V. (Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe) und dann erzählst du ihm, wie du auf so eine absurde Idee kommst, ein Kind in einem Geburtshaus zur Welt zu bringen.

Mann erinnert sich

Du sprichst mit ihm über die letzte Geburt. Darüber, wie unangenehm der Zugang im Arm war. Darüber, wie unwohl du dich gefühlt hast, als das CTG angeschlossen wurde. Wie blöd es war, dass die Maschine die Wehen nicht angezeigt hat. Du fragst ihn ob er sich daran erinnert, wie allein ihr wart in diesem, wunderschön eingerichteten, Kreissaal. Du sprichst über deine Zweifel darüber, ob die Geburt nicht hätte anders verlaufen können. Wenn du nicht so viel Angst gehabt hättest. Wenn nicht alles so fremd gewesen wäre. Wenn jemand da gewesen wäre. Ein Ansprechpartner. Jemand der Erfahrung hat mit Geburten. Nicht nur du und der Mann. Wenn das Fachpersonal sichtbar gewesen wäre und nicht nur „mal reingeguckt hätte“. Du erinnerst den Mann daran, dass die Hebamme und die Ärztin scheinbar nicht zufrieden waren, mit der Entscheidung des Oberarztes zum Kaiserschnitt. Mann war dabei. Er erinnert sich.

Du erzählst ihm vom Geburtshaus. Du erzählst ihm, dass die Hebamme dabei ist. Die GANZE Zeit. Dass die Hebamme schon seit 17 Jahren Geburten begleitet. Dass kein Zugang gelegt wird. Dass am Ende sogar eine zweite Hebamme dazu gerufen wird. Du erzählst ihm, dass falls etwas schief geht das Krankenhaus nur 3 Querstraßen entfernt ist.

Ihr trefft die Entscheidung gemeinsam

Mann denkt nach. Mann braucht Zeit zum Denken. Mann informiert sich. Mann liest Statistiken. Ihr entscheidet GEMEINSAM es im Geburtshaus zu versuchen. Dass du schon mit der Hebamme vom Geburtshaus telefoniert hast, bleibt dein kleines Geheimnis. Du bist froh, dass Mann zur Entbindung nicht allein ins Krankenhaus fahren muss. Die würden bestimmt doof gucken.

Autor: Mama Esel

Viele Mütter WOLLEN heute gar nicht mehr perfekt sein. Sagen Sie. Schreiben Sie. Mutter Esel wäre es gerne. Hat aber festgestellt: Sie kann es nicht. Das größte Problem dabei ist, dass die Definition für "perfekt" entweder fehlt oder in gegensätzlichen Versionen gepredigt wird. Also lebt sie damit oft wie der "Esel" vorm Berg zu stehen. Oder auch mal unter dem Berg zu liegen. Dem Berg mit schmutziger Wäsche, Windeln und Kekskrümeln. Verursacht wird der Berg übrigens von den zwei süßesten Wirbelwinden der Welt: Wirbelwind 1 und Wirbelwind 2. Nummer 1 kam 2016 ENDLICH in Mama Esels Leben gewirbelt, Nummer 2 ist dann 2018 dazu gepurzelt.

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