Der vermaledeite Begriff „SCHAFFEN“ und die Geburt

„Du schaffst das!“ Was für ein blöder Ausdruck, wenn man über das Thema Geburten spricht. Was soll den „schaffen“ im Zusammenhang mit Geburten überhaupt heißen? Heißt das, dass eine Kaiserschnitt-Mama es am Ende nicht „geschafft“ hat? Diese komische, esoterisch-verklärte Vorstellung von einer Geburt ist doch wohl ein bisschen überholt.

Und doch…“Ich schaff das!“ hast du dir vor deiner zweiten Geburt immer wieder eingebläut. Weil du wusstest, dass eine Geburt Kraft kostet. Weil du das Gefühl hattest, dass ein Geburtsverlauf nicht NUR Schicksal ist.

Weil es sich so anfühlt

Es könnte also sein, dass der Begriff „schaffen“ völlig zu Unrecht von überehrgeizigen Hebammen in unsere Köpfe eingepflanzt wurde. Es könnte aber auch ganz anders sein. Es könnte einfach so sein, dass es sich anfühlt als würde man etwas „schaffen“. Eine Geburt ist Arbeit. Schwere Arbeit. Harte Arbeit. Im Englischen hat sich sogar „Labor“ als Begriff für die Geburt bzw. für die Geburtskräfte durchgesetzt. Ganz ohne, dass irgendjemand ihnen diese Worte eingeflüstert hat, sagen viele Frauen unter der Geburt „Ich schaff das nicht!“ oder „Ich kann das nicht!“ (hast du mal gehört 😉 ). Bei der Geburt sind Urkräfte am Werk und du hast noch keine Mutter getroffen, die dir nicht zugestimmt hätte, wenn du die Geburt als „Grenzerfahrung“ bezeichnet hast. Auch Wehen können sich sehr unterschiedlich anfühlen. Es kann sich so anfühlen, als ob die Wehe kommt und dich überrollt, dich mitnimmt und unter sich begräbt, als ob die Wehe dich „schafft“. Eine Wehe kann sich aber auch anfühlen wie eine Welle, eine Welle, die dich mitnimmt, auf der du ein bisschen surfst, eine Wehe, die du „schaffst“.

Wenn die Geburt sich dann dem Ende zuneigt und einen natürlichen Verlauf nimmt, dann hat Frau „es geschafft“, „es gekonnt“. Sie hat es geschafft, ihr Kind rauszulassen und Leben zu schenken.

Was ist denn mit den Frauen die es nicht schaffen?

Nicht jede Geburt geht auf natürlichem Weg zu Ende. Ein Kaiserschnitt kann Leben retten. Was ist mit den Frauen, die eine solche Geburt erlebt haben? Haben sie es nicht geschafft? Was ist mit dir? Hast du es bei deiner ersten Geburt nicht GESCHAFFT? Du denkst kurz nach. Nein. Hast du nicht. Du hast es nicht geschafft. Aber das ist okay. Du musst an deinen ersten Geburtsvorbereitungskurs denken. Die Hebamme hat die Geburt immer wieder mit einem Marathon verglichen. Du verstehst den Vergleich mittlerweile. Wenn ein Marathonläufer den Marathonlauf nicht schafft, weil er umknickt oder weil ihm ein umgekippter Baum die Strecke versperrt, dann hat der Marathonläufer es nicht geschafft. Bestimmt ist der Marathonläufer dann traurig. Das darf er ja auch sein. Aber er ist nicht schuld daran, dass er es nicht geschafft hat.

Eine Geburt hat nämlich sehr wohl etwas mit schaffen zu tun.

Sie hat aber NICHTS mit Schuld zu tun.

Autor: Mama Esel

Viele Mütter WOLLEN heute gar nicht mehr perfekt sein. Sagen Sie. Schreiben Sie. Mutter Esel wäre es gerne. Hat aber festgestellt: Sie kann es nicht. Das größte Problem dabei ist, dass die Definition für "perfekt" entweder fehlt oder in gegensätzlichen Versionen gepredigt wird. Also lebt sie damit oft wie der "Esel" vorm Berg zu stehen. Oder auch mal unter dem Berg zu liegen. Dem Berg mit schmutziger Wäsche, Windeln und Kekskrümeln. Verursacht wird der Berg übrigens von den zwei süßesten Wirbelwinden der Welt: Wirbelwind 1 und Wirbelwind 2. Nummer 1 kam 2016 ENDLICH in Mama Esels Leben gewirbelt, Nummer 2 ist dann 2018 dazu gepurzelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.