Das letzte Kind… und die eigenartigen Gefühlsregungen einer Mutter

Es kommt der Tag, da bist du das letzte Mal über deine Grenzen hinaus gegangen, hast das letzte Mal dein Bestes gegeben, lächelst das letzte Mal (leicht debil wirkend) mit Tränen in den Augen das kleine Wesen an, das in den letzten 9 Monaten in deinem Körper gewachsen ist.

Bei dem Durchtrennen der Nabelschnur wird dir schlagartig klar, dass du nie wieder, nie in diesem Leben, so eng mit einem anderen Menschen verbunden sein wirst.

Wenn die Zeit es eilig hat

Du versuchst, die vielen ersten Male im Leben deines letzten kleinen Wunders so gierig in dich aufzusaugen wie eben jenes seinen ersten Schluck Milch. Du versuchst dich zu freuen, über die erste Drehung, das erste Lächeln, den ersten Zahn. Du weißt, du darfst nicht festhalten, du musst Flügel geben.

Anders als beim ersten Kind, wirst du nicht mit Argus-Augen jeden Entwicklungsschritt herbeisehnen und überwachen. Mach doch mal langsam wirst du flüstern und doch wissen, dass dieses eine Mal das Kind Recht hat, wenn es nicht auf dich hört. Es hört lieber dem lachenden Bruder zu, will auch rennen, will auch toben, will auch groß sein.

Um die Einführung der Beikost musst du dich schon lange nicht mehr alleine kümmern, weil dein Älteres beschlossen hat, dass Kekse für den Beikostbeginn besser geeignet sind als Möhrenpürree. Es kommt dir vor, als hättest du gerade erst die Briefmarken auf die Geburtskarten geklebt, da krabbelt dein Kind von einem Zimmer ins andere und du ahnst, nach Luft schnappend, wie es jetzt weiter gehen wird.

Der Tag wird kommen…

Da wird sich das Kind das letzte Mal aus deiner Umarmung winden, weil es jetzt nicht kuscheln, sondern lieber spielen möchte. Dann macht es plötzlich keinen Unterschied mehr, ob du vergisst, die Kindersicherung an den Schränken zu benutzen, weil der Inhalt des Küchenschranks dein Kind nicht mehr interessiert. Ganz unbewusst, wirst du irgendwann das letze Mal „Hoppe, hoppe Reiter“ spielen und aus dem Kindergarten die letzte Tüte Pippi-Wäsche mit nach Hause nehmen. Wenn dein letztes Kind seine – viel zu große – Schultüte in den Händen hält, wird es nicht verstehen, warum Mama an einem so schönen Tag, plötzlich weinen muss. „Zum Spielplatz geh ich allein!“, wird es irgendwann sagen und nur ein Küsschen für dich übrig haben, weil du noch schnell ein paar Kekse für den Weg in die Fahrradtasche steckst.  Dann saugst du irgendwann das letzte Mal einen Legostein ein und ärgerst dich, dass du in Algebra nicht besser aufgepasst hast, weil dich die Hausaufgaben deines kleinen Schatzes plötzlich überfordern. Irgendwann fängst du an am Wochenende ins Bett zu gehen, obwohl dein ehemaliger Bauchbewohner noch nicht zu Hause ist. Über fremde Turnschuhe, die am nächsten Morgen in deinem Flur stehen, wunderst du dich dann schon lange nicht mehr. Doch irgendwann hört auch das auf und du hilfst deinem letzen Kind beim Kisten packen. Denn obwohl es bei dir immer willkommen ist, kommt der Tag, da sagt dein Kind zu einem anderen Ort „Zu Hause!“.

Noch ist es nicht so weit!

Du schnappst dir dein Baby und drückst es ganz fest an dich, du blickst in die strahlenden, blauen Augen und nimmst dir ganz fest vor: Du wirst jeden Augenblick genießen. Jeden einzelnen Augenblick. Denn eines Tages, wirst du diese Zeilen wieder hervorkramen und deinem letzten Kind geben, kurz bevor du einem klapprigen Möbelwagen hinterherwinkst und weißt: Ab jetzt, kommt dein letztes Kind nur noch zu Besuch.

Autor: Mama Esel

Viele Mütter WOLLEN heute gar nicht mehr perfekt sein. Sagen Sie. Schreiben Sie. Mutter Esel wäre es gerne. Hat aber festgestellt: Sie kann es nicht. Das größte Problem dabei ist, dass die Definition für "perfekt" entweder fehlt oder in gegensätzlichen Versionen gepredigt wird. Also lebt sie damit oft wie der "Esel" vorm Berg zu stehen. Oder auch mal unter dem Berg zu liegen. Dem Berg mit schmutziger Wäsche, Windeln und Kekskrümeln. Verursacht wird der Berg übrigens von den zwei süßesten Wirbelwinden der Welt: Wirbelwind 1 und Wirbelwind 2. Nummer 1 kam 2016 ENDLICH in Mama Esels Leben gewirbelt, Nummer 2 ist dann 2018 dazu gepurzelt.

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